Der erste Anlauf des handwerklichen Mälzens.
Immer noch neugierig wie das denn alles funktioniert geht es nun an das Mälzen. Nach etwas Lektüre stellt sich heraus, dass dieses Thema ja mal mindestens genau so komplex ist wie der Brauvorgang.
Eine schöne Übersicht findet sich z.B. hier:
Mälzungsprozess nach Weyermann
Wie bilde ich das bei mir zu Hause ab und was brauche ich?
Rohstoff - Brelingen ist ein wunderbares Dorf mit wunderbaren Leuten. Rein zufällig gibt es hier eine Niederlassung der Agravis zur Getreideannahme.
Hier bekomme ich eine kleine Menge zum Brauen geeigneter Sommergerste (Sorte Lexy) aus erster Hand (nebst Info über Proteingehalt und Restfeuchte). Diesen Sommer frisch eingefahren, gleich im Nachbardorf - lokaler geht's nicht!
Reinigen und Einweichen - da reichen Siebe, Schüsseln und Schalen aus der Küche.
Keimen - "Samla" von Ikea mit ein paar Bohrungen für die Lüftung und ein zugeschnittenes und gefalztes VA-Lochblech sollten es tun.
Trocknen (Schwelken und Darren) - Da kommt unser Stöckli Dörex wieder zum Einsatz. Der kann bis 70°C, das reicht dann für Pilsener Malz, also fangen wir damit mal an
(Darren über 70°C für dunklere Malze wird wohl auch im Backofen passieren müssen aber da schaun wir später mal...).
Beim zweiten Mälzen (für den Erstversuch eines alkoholfreien Malztrunks wo ich das Karamalz und das Röstmalz selber beigesteuert habe - dazu später mehr an anderer Stelle)
habe ich auf den Dörex verzichtet und das Schwelken durch den Einsatz einer Rotlichtwärmelampe im Keimkasten realisiert.
Rösten - Das erledigt der Backofen.
Und los gehts -> wir starten mit 2.5 kg Gerste bei einer Restfeuchte von 15%:
Reinigen. Drei Durchgänge mit frischem Wasser und Ausschöpfen
Einweichen. Das Ziel ist, eine Wasseraufnahme von 40%-45% im Korn zu erreichen. Während des Vorganges werden nicht keimfähige Körner aussortiert.
Das hat 44 Stunden und 3 Abgüsse gedauert (bei 16°C). Nach jedem Abguss wurde das Gewicht ermittelt um somit eine Idee der Wasseraufnahme zu bekommen.
Keimen. Das Ziel ist, die Körner gleichmässig und ohne zu schimmeln in die Keimung zu bringen.
Der Vorgang soll abgebrochen werden, sobald der Wurzelkeim eine Länge von ca 5mm erreicht hat.
Das hat 54 Stunden gedauert (bei 16°C). In dieser Zeit wurde das Getreide 7 mal umgeschichtet und befeuchtet.


Jetzt haben wir das sogenannte Grünmalz. Um es gleich ein wenig anspruchsvoller zu machen, geht's zweigleisig weiter.
Der Großteil des Grünmalzes geht jetzt in die Darre zum Schwelken und Darren um ein Pilsener Malz als Basismalz zu erzeugen. Aber ein wenig wird abgezwackt und geht direkt zum Caramelisieren.
Ziel ist es, mit dem selbst erzeugten Malz ein Pils zu brauen in dem nach meinem Rezept eben auch 5% Caramelmalz enthalten sind.
Pfad 1 -> Schwelken - bei ca 50°C bis zu einer Restfeuchte von <28% - das hat 7.25 Stunden gedauert und dabei 4 mal wiegen und umschichten.
Darren - langsam Temperatur steigern bis auf 70°C und bei einer Restfeuchte <5% stoppen. Das hat nochmal 1 Stunde gedauert. Fertig ist das Pilsener Malz.

Pfad 2 -> Caramelisieren - bei 130°C im Backofen bis zu einer verbleibenden Restfeuchte <5%. Das hat 2.5 Stunden gedauert. Fertig ist das Caramelmalz.
Zum Entkeimen reicht ein bisschen Schütteln auf dem Dörrsieb...

und fertig!
Die grosse Frage ist nun, ob damit ein trinkbares Bier gebraut werden kann. Dem wird zeitnah nachgegangen. Ein Namen gibt es schon: "100% Wedemark" soll es heissen:
- Brauwasser aus Elze
- Gerste aus Hellendorf
- Hopfen aus Brelingen
- Gemälzt und gebraut in Brelingen
14. Januar 2026, die erste Verkostung... nach:
- 13 Tagen Fermentierung
- 1 Tag Cold-Crash
- 6 Tagen Nachgärung
- 37 Tagen (5 Wochen) Reifung

Ein helles Bier, mit guter Schaumbildung und CO2 Bindung, noch präsenter Hefe und einer leichten Bitterkeit.
Schon wie ein Pils aber 'noch nicht ganz rund' - mal sehn, wie sich das Bier noch in den nächsten Wochen entwickelt.
Fazit generell: ein eigenes, lokales Bier zu brauen funktioniert auch hier bei uns.
Da kann man noch einiges dran optimieren aber so soll's ja auch sein.
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